Timeline

Alle Daten

1868
8. Dezember 1868

Geburt

Fidus wird in Lübeck als Reinhold Karl Johann Hugo Höppener geboren. Sein Vater Julius Höppener ist Konditor, seine Mutter Camilla, geb. Stender, die Tochter eines Handschuhmachers. Er hat einen älteren Bruder und eine jüngere Schwester.

1887
30. April 1887

Akademie der bildenen Künste

Fidus tritt in die Akademie der bildenden Künste in München ein. (00393 Hugo Höppener, Matrikelbuch 1884-1920.)

1. Juli 1887

Schüler und Mitarbeiter von Karl Wilhelm Diefenbach

Im Sommer wird Fidus Schüler und Mitarbeiter des Künstlers Karl Wilhelm Diefenbach in dessen Lebensgemeinschaft im Steinbruch Höllriegelskreuth bei München. Diefenbach gibt ihm den Namen Fidus, der Getreue.

1889
1. Januar 1889

Bekanntschaft mit Wilhelm Hübbe-Schleiden

Nachdem Fidus mit Wilhelm Hübbe-Schleiden Bekanntschaft gemacht hat, kommt es zum Bruch mit Diefenbach. Er kehrt an die Akademie nach München zurück.

1891
1. Januar 1891

Illustrationen in “Sphinx”

Wilhelm Hübbe-Schleiden beginnt in seiner Zeitschrift Sphinx Illustrationen von Fidus zu veröffentlichen.

1893
1. Januar 1893

Bekanntschaft mit Amalie Reich

Anfang des Jahres übersiedelt Fidus nach Berlin. Ende des Jahres lernt er die Lehrerin und Schriftstellerin Amalie Reich kennen, mit der er in “ideal-freier Ehe” zusammenlebt.

1894
1. Januar 1894

Erste Norwegenreise

Fidus unternimmt seine erste Norwegenreise.

1895
1. Januar 1895

“Sonnenblumen”

Fidus zeichnet für die Folge Sonnenblumen von Karl Henckell das Titelblatt und die Kopfleiste mit dem Titel der Anthologie, die jedes Blatt schmückt, sowie ab 1896 Schlussvignetten, dekorative Kopfleisten und Rahmen zu Porträtbildern.

1. Februar 1895

Familienschutz

Zusammen mit Amalie Altmann-Reich plant Fidus die Herausgabe der Zeitschrift Familienschutz eine “Zeitschrift für die praktischen und ideellen Interessen des Hauses”.

Die Zeitschrift hätte im Verlagsbuchandel von Otto und Ernst Kurtze erscheinen sollen, wozu es es aber nicht kam. Es existiert jedoch ein Werbeprospekt mit dem Titelblatt.

Otto und Ernst Kurtze waren in verschiedenen Betrugsfällen angeklagt und erhielten auch von Fidus und Amalie Reich Geld. In einem Artikel der Verliner Volks-Zeitung wird über die die Zeitschrift Familienschutz im Zusammenhang mit einer Verhandlung am Landgericht berichtet:

Mit einem Schrittsteller und einer Schriftstellerin verbanden sich beide Angeklagte vor Kurzem zur Herausgabe einer Zeitschrift “Familienschutz”. Diese beiden Partner gaben je 5000 M. zum Beginn des Unternehmens her, dasselbe sollten auch die beiden Angeklagten tun. Es kam aber nicht eine Nummer des “Faniilienschutz” heraus, vielmehr benntzten die Angeklagten die von der Schriftstellerin für die neue Zeitschrift verfertigten Artikel entgegen dem energischen Protest der Dame für ihre anderen vorerwähnten Blätter. Wegen dieses Nachdrucks wurde jeder der Angeklagten zu 60 Mark Geldstrafe verurteilt. Otto Kurtze, der wegen Betruges schon eine bedeutende Vorstrafe erlitten hat, wurde außerdem zu 2 1/2 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt.

**Ankündigung in der Zeitschrift *Sphinx***

In einer Ankündigung in der Zeitschrift Sphinx werden ausführlich die “Leitgedanken der Redaktion” zitiert. Zum Ziel der Zeitschrift wird darin nur soviel erklärt:

Den Geistern, die dem Zuge ins neuen Jahrhundert vorauseilen, verständnislos [sic!] uns zu öffnen, mit Ernst und Ehrlichkeit, ohne den Witz neidischer Kleinsprecherei – den Blick für alles Keimen und Sprossen auf den Feldern der neuen Kulturarbeit frei zu halten – und ein herzliches inneres Band zu Familie und Volk zu finden: das sei unser Ziel.

Dann erst bedeutet unser Wirken einen erzieherischen Faktor für unsere germanische Kultursendung, dann erst findern wir das rechte Verhältnis zwischen dem Einzelnen und dem Volk, dann erst sind wir ein echter und rechter Schutz der deutschen Familie.

Der Zielsetzung voraus geht ein pathetisch-prophetischer Aufruf geprägt von Idealismus und Wunschvorstellungen vor dem Hintergrund weltgeschichtlicher Ehrfahrungen aus deutscher Sicht an einer Zeitenwende. Das neue Jahrhundert werde “das Jahrhundert einer zur Reife kommenden Menschheit sein”, in dem sich “eine gewaltige Befreiung der Menschenseele” abspiele als Folge des Fortschritts auf allen Gebieten. “Es sind die Gebiete der Technik und der Empfindungen,” wird dazu präzisiert, “es sind die Gebiete des Handels und der Industrier, und es sind die Gebiete der Wissenschaft und neuer Gefühlssphären, die diese neue Kultur einleiten, die sie fruchtbar machen wollen.”

Dabei bilden die “Kraft sozialer Errungenschaften und individuell seelischer Vermenschlichung” die Grundlagen für die “Klänge versöhnender Kulturarbeit”. Wobei bemerkt wird, dass nun anstelle der Romanen die Germanen “die Führung der europäischen Geisteskultur” angetreten hätten. Dazu wird ausgeführt:

Wir im Herzen Europas aber, die wir gleichsam die Hellen des neuen Zeitalters sind, wir sollen uns erkennen und finden, daß wir stark werden für unsere Familie, unser Vaterland. Aus der Tiefe unserer Volkskraft sollen wir schöpfen; da finden wir alle Vorbedingungen zu neuer Kulturblüte: die Tiefe unserer Volkskraft sollen wir heilig halten.

Die deutsch-nationale oder völkische Position, die in den Leitgedanken vertreten wird, mag erstaunen etwas, entstammt Amalie Reich doch einer jüdischen Familie. Es scheint aber eine Haltung gewesen zu sein, die im Laufe der Assimilation der Juden in Deutschland nicht unüblich geworden war.

  1. Berlinische Galerie, BER, DE-B1586. Vgl. Frecot, Kerbs, Geist, S. 322.
  2. “Eine ganze Reihe von Wechselfälschungcn und Betrügereien”, in: Volks-Zeitung, 44. Jahrg., 22. Juli 1896, Nr. 339 Beiblatt. Online: Eine ganze Reihe von Wechselfälschungcn und Betrügereien.
  3. Sphinx, 21. Jahrg., Nr. 117, November 1895, Heft 5, S. 289-290. Online: Familienschutz.
1896
1. Januar 1896

Tod des Vaters

Fidus Vater stirbt.

9. Februar 1896

Geburt Hilde

Die Tochter Hilde von Fidus und Amalie Altmann-Reich kommt in Berlin zur Welt.

1. Juli 1896

Zweite Norwegenreise

Fidus unternimmt seine zweite Norwegenreise.

1897
1. Januar 1897

“Per aspera ad adstra”

Der Fries Per aspera ad adstra von Karl Wilhelm Diefenbach, der unter Mitarbeit von Fidus entstanden ist, wird in Wien ausgestellt.

1900
1. Januar 1900

Heiratsmappe

Heirat von Fidus und Elsa Knoll. Zu diesem Anlass stellt Otto Grautoff eine Mappe mit 46 Blättern zusammen, darunter Beiträge von Karl Henckell, Thomas Mann und Rainer Maria Rilke.

23. Dezember 1900

Geburt Trude

Die Tochter Trude, später Drude genannt, kommt zur Welt.

1902
1. Januar 1902

Monographie und Mappen

Die grosse Fidus-Monographie von Wilhelm Spohr erscheint. Zudem erscheinen die Mappen Tänze und Naturkinder.

1. Januar 1902

Geburt Holger

Der Sohn Holger kommt zur Welt.

1903
1. Januar 1903

Grappenhof

Fidus hält sich mit seiner Familie einige Zeit in der Siedlung um den Grappenhof bei Weesen am Walensee auf dem Gebiet der Gemeinde Amden auf. Diese wurde seit 1903 von Josua Klein aufgebaut, daran beteiligt waren Paul Schirrmeister, ein engagierter Vertreter der Bodenreform und der Naturheilkunde, sowie dessen Schwager Paul Lindtner, Arzt und Besitzer einer Naturheilanstalt.

1. Januar 1903

Neugermanische Schrift

Fidus entwickelt eine “neugermanische Schrift”. Im Gegensatz zur Feder-, Steinschnitt und Pinselschrift handelt es sich um eine Stahlschrift, die gemäss Fidus deshalb eine Schrift sei, “die der stilistischen Forderung von Materialtreue entspricht”. Sie sollte zudem nicht nur der deutschen Sprache entsprechen, sondern auch deren Lesbarkeit in Bezug auf die Phonetik für Ausländer erhöhen und schliesslich eine Weltschrift werden.

6. April 1903

Vortrag “Fidus’ Tempel-Kunst”

Wilhelm Spoht hält in Cohn’s Festsälen an der Beuthstrasse 19 in Berlin den Vortrag Fidus’ Tempel-Kunst.

1904
1. Januar 1904

Zürich

Fidus verlässt den Grappenhof und wohnt in Zürich. Hier entstehen die Illustrationen für einen Katalog der Günther Wagner (heute Pelikan).

1. Januar 1904

Ausflug auf die Rigi

Im Juni machen Fidus, seiner Frau Elsa, Gertrud Prellwitz und Elsbet Lehmann-Hohenberg einen Ausflug auf die Rigi am Vierwaldstättersee. Das Erlebnis des Sonnenaufgangs soll sein bekanntestes Werk Lichtgebet wesentlich geprägt haben.

4. Januar 1904

“Theosophie und Kunst”

Im April schreibt oder beendet Fidus den Aufsatz Theosophie und Kunst, der im Juni am Kongress der Föderation der europäischen Sektionen der Theosophischen Gesellschaft in Amsterdam in der Abteilung “Kunst” vorgelegt wird.

1906
1. Januar 1906

Zürich

Fidus reist zusammen mit Maria Lucke und Heta von Hackewitz nach Zürich, wo sie bei Fina Zacharias wohnen. In Zürich beteiligt sich Fidus an der Gründung der Zeitschrift Polis.

5. April 1906

Ausstellung in Lübeck

Eröffnung der Fidus-Ausstellung in der Katharinenkirche in Lübeck, veranstaltet vom Kunstgewerbeverein.