Familienschutz

Zusammen mit Amalie Altmann-Reich plant Fidus die Herausgabe der Zeitschrift Familienschutz eine “Zeitschrift für die praktischen und ideellen Interessen des Hauses”.

Die Zeitschrift hätte im Verlagsbuchandel von Otto und Ernst Kurtze erscheinen sollen, wozu es es aber nicht kam. Es existiert jedoch ein Werbeprospekt mit dem Titelblatt.

Otto und Ernst Kurtze waren in verschiedenen Betrugsfällen angeklagt und erhielten auch von Fidus und Amalie Reich Geld. In einem Artikel der Verliner Volks-Zeitung wird über die die Zeitschrift Familienschutz im Zusammenhang mit einer Verhandlung am Landgericht berichtet:

Mit einem Schrittsteller und einer Schriftstellerin verbanden sich beide Angeklagte vor Kurzem zur Herausgabe einer Zeitschrift “Familienschutz”. Diese beiden Partner gaben je 5000 M. zum Beginn des Unternehmens her, dasselbe sollten auch die beiden Angeklagten tun. Es kam aber nicht eine Nummer des “Faniilienschutz” heraus, vielmehr benntzten die Angeklagten die von der Schriftstellerin für die neue Zeitschrift verfertigten Artikel entgegen dem energischen Protest der Dame für ihre anderen vorerwähnten Blätter. Wegen dieses Nachdrucks wurde jeder der Angeklagten zu 60 Mark Geldstrafe verurteilt. Otto Kurtze, der wegen Betruges schon eine bedeutende Vorstrafe erlitten hat, wurde außerdem zu 2 1/2 Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt.

**Ankündigung in der Zeitschrift *Sphinx***

In einer Ankündigung in der Zeitschrift Sphinx werden ausführlich die “Leitgedanken der Redaktion” zitiert. Zum Ziel der Zeitschrift wird darin nur soviel erklärt:

Den Geistern, die dem Zuge ins neuen Jahrhundert vorauseilen, verständnislos [sic!] uns zu öffnen, mit Ernst und Ehrlichkeit, ohne den Witz neidischer Kleinsprecherei – den Blick für alles Keimen und Sprossen auf den Feldern der neuen Kulturarbeit frei zu halten – und ein herzliches inneres Band zu Familie und Volk zu finden: das sei unser Ziel.

Dann erst bedeutet unser Wirken einen erzieherischen Faktor für unsere germanische Kultursendung, dann erst findern wir das rechte Verhältnis zwischen dem Einzelnen und dem Volk, dann erst sind wir ein echter und rechter Schutz der deutschen Familie.

Der Zielsetzung voraus geht ein pathetisch-prophetischer Aufruf geprägt von Idealismus und Wunschvorstellungen vor dem Hintergrund weltgeschichtlicher Ehrfahrungen aus deutscher Sicht an einer Zeitenwende. Das neue Jahrhundert werde “das Jahrhundert einer zur Reife kommenden Menschheit sein”, in dem sich “eine gewaltige Befreiung der Menschenseele” abspiele als Folge des Fortschritts auf allen Gebieten. “Es sind die Gebiete der Technik und der Empfindungen,” wird dazu präzisiert, “es sind die Gebiete des Handels und der Industrier, und es sind die Gebiete der Wissenschaft und neuer Gefühlssphären, die diese neue Kultur einleiten, die sie fruchtbar machen wollen.”

Dabei bilden die “Kraft sozialer Errungenschaften und individuell seelischer Vermenschlichung” die Grundlagen für die “Klänge versöhnender Kulturarbeit”. Wobei bemerkt wird, dass nun anstelle der Romanen die Germanen “die Führung der europäischen Geisteskultur” angetreten hätten. Dazu wird ausgeführt:

Wir im Herzen Europas aber, die wir gleichsam die Hellen des neuen Zeitalters sind, wir sollen uns erkennen und finden, daß wir stark werden für unsere Familie, unser Vaterland. Aus der Tiefe unserer Volkskraft sollen wir schöpfen; da finden wir alle Vorbedingungen zu neuer Kulturblüte: die Tiefe unserer Volkskraft sollen wir heilig halten.

Die deutsch-nationale oder völkische Position, die in den Leitgedanken vertreten wird, mag erstaunen etwas, entstammt Amalie Reich doch einer jüdischen Familie. Es scheint aber eine Haltung gewesen zu sein, die im Laufe der Assimilation der Juden in Deutschland nicht unüblich geworden war.

  1. Berlinische Galerie, BER, DE-B1586. Vgl. Frecot, Kerbs, Geist, S. 322.
  2. “Eine ganze Reihe von Wechselfälschungcn und Betrügereien”, in: Volks-Zeitung, 44. Jahrg., 22. Juli 1896, Nr. 339 Beiblatt. Online: Eine ganze Reihe von Wechselfälschungcn und Betrügereien.
  3. Sphinx, 21. Jahrg., Nr. 117, November 1895, Heft 5, S. 289-290. Online: Familienschutz.
Kategorie: